Die neue AHAL-Coronaformel

Sogar der Guardian bescheinigt den Deutschen „Stoßlüften“ als eine nationale Obsession. „Viele Deutsche öffnen gewohnheitsmäßig das Fenster zweimal am Tag, sogar im Winter“, berichtete The Guardian Ende September. Daher ist es wenig verwunderlich, dass die AHA-Corona-Formel von Bund und Ländern um ein „L“ wie „lüften“ verlängert wurde (Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen, Lüften). Ausreichendes und regelmäßiges Lüften gilt als die billigste und effektivste Maßnahme für eine gute Luftqualität in Büros, Veranstaltungs- und Unterrichtsräumen.

Möchte man aber ein Auskühlen der Räume oder einen explosiven Anstieg der Heizkosten im Winter vermeiden, gilt es nach möglichen Alternativen zum Stoßlüften zu suchen.

„Stoßlüften“ im Winter – Sind Luftfilter eine Alternative?

Sollten die Räumlichkeiten es baulich hergeben, ist es sinnvoll eine Belüftung einzubauen. Eine Belüftungsanlage tauscht die Luft im Raum ständig ausg, so dass sich Aerosole nicht anreichern können. Diese Anlagen gibt es für verschiedene Flächengrößen und sie können bei abgehängten Decken leicht eingebaut werden. Sie haben meist einen Wärmetauscher, so dass durch den Betrieb einer solchen Lüftung auch Heizkosten gespart werden können. Wichtig beim Betrieb eines solchen System ist, dass der Frischluftanteil sehr hoch eingestellt wird, damit keine Umwälzung der kontaminierten Luft stattfindet.

Wenn es baulich nicht möglich ist, eine Lüftungsanlage einzubauen, gibt es die Alternative, Raumfilter anzuschaffen. Die Hessenschau vom 15.10.2020 berichtete über eine Studie der Goethe-Universität, bei der man handelsübliche Luftfilter in Klassenräumen eingesetzt hat und damit bis zu 90% der Virenlast in der Luft senken konnte. Diese Studie ist zwar nur eine Momentaufnahme in einer Schule in Wiesbaden, zeigt jedoch das Luftfilter das Ansteckungsrisiko durchaus senken können.

Aber worauf muss ich beim Filterkauf achten?

Es gibt diverse Filter und somit ist Luftfilter nicht gleich Luftfilter. Wichtig ist, dass in einem solchen Gerät ein HEPA-Filter (High Efficiency Particulate Air Filter) zum Einsatz kommt. Diese filtern kleinste Partikel und somit auch Aerosole aus der Luft. HEPA-Filter gibt es in unterschiedlichen Qualitäten. Eine Partikelfilterklasse von H13 oder H14 sollte es für den Einsatz in Unterrichtsräumen sein. Viele Geräte haben dann auch noch einen Aktivkohlefilter, der Gerüche aus der Luft entfernt, was die Raumluft zusätzlich sehr angenehm macht.

Zu guter Letzt gibt es dann noch Systeme die zusätzlich oder ausschließlich eine UV-Lampe haben, um Viren abzutöten. Laut einer Studie durch PD Dr. Adalbert Krawczyk und Dr. Christiane Heilingloh von der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) an der Klinik für Infektiologie (Direktor Prof. Dr. Oliver Witzke) der Universitätsmedizin Essen ist diese Methode vielversprechend. Derzeit wird UV-Licht zur Dekontamination von medizinischen Geräten verwendet. Welchen Erfolg jedoch der Einsatz von UV-Licht in Unterrichtsräumen oder zu Hause hat, muss noch weiter erforscht werden.

Lautstärke – Fläche – Raumvolumen

Luftfilter gibt es derzeit viele und ein paar habe ich auch schon selbst ausprobiert. Wenn man sie im Unterrichtsraum einsetzten möchte sollte man auf die Lautstärke des Gerätes achten. Wenn ein Filter auf kleinster Stufe läuft, hat er oft nicht die gewünschte Wirkung, da die Luft im Raum möglichst schnell gefiltert werden muss. Also ist darauf zu achten, dass ein Filter bei mittlerer und hoher Stufe den Unterricht noch möglich macht. Dezibel-Angaben findet man meist in der Beschreibung des Gerätes.

Bei der Größe des Geräte sollte man nicht nur auf die Quadratmeterzahl schauen. Es gibt Räume mit hohen Decken, die ein sehr großes Luftvolumen haben. Hat man einen solchen Unterrichtsraum muss man einen Filter auswählen, für den eine höhere Quadratmeterzahl angegeben wird. Geräte mit den meist nötigen Anforderungen gibt es bereits ab ca. 130,00 €.

Fazit

Der beste Schutz in den Unterrichtsräumen ist wohl eine Kombination aus Lüften, Luftfilter, Maske, Desinfektion und Abstand. Wenn diese Komponenten als Teil eines Hygienekonzepts in einem vernünftigen Einklang sind, wird das Risiko in den Musikschulen deutlich minimiert.

In dieser Situation sollten wir alle verantwortungsbewusst mit diesem Thema umgehen und unsere Planungen mit Zukunftsperspektive angehen. Eine gute Raumluft schützt ja nicht nur vor Covid-19 sondern auch vor anderen Viren. Wir können uns und unsere Mitarbeiter*innen so generell vor Krankheiten schützen, was uns als Musikschulleiter*innen diese Investitionen Wert sein sollte.

Weitere Informationen

https://www.hessenschau.de/gesellschaft/luftfilter-im-klassenraum-senken-virenlast-um-bis-zu-90-prozent,corona-schulen-luftfilter-100.html

https://www.test.de/Luftreiniger-im-Test-5579439-0/

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/produkte/luftreiniger-gegen-corona-kein-wundermittel-aber-moegliche-ergaenzung-52075

https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/luftfilter-coronavirus-schule-1.5035852

https://www.theguardian.com/world/2020/sep/30/germans-embrace-fresh-air-to-ward-off-coronavirus

Mario Müller
Mario Müller gründete 1995 die bis heute bestehende Mario’s Musikschule GmbH, die an drei Standorten in der Region Bonn Musikunterricht erteilt. Gleichzeitig erarbeitete er ein eigenes Unterrichtsprogramm “Mamu-Play” und gründete den gemeinnützigen Verein “musico mio” e. V. mit, der mittlerweile 14 Bands und einen Sozialfonds für Kinder, deren Eltern sich den Musikunterricht nicht leisten können, umfasst. Seit 2014 als Bundesvorsitzender im bdfm tätig. Durch die vielen unterschiedlichen Tätigkeiten und eine kaufmännische Ausbildung konnte sich Mario Müller umfängliche Einblick in verschiedenste Bereiche der Musikbrache erarbeiten.

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