Münchner Symphoniker holen digitalen Live- Konzertführer nach Deutschland

Der Saal wird dunkel. Auf dem Programm steht die 4. Sinfonie von Gustav Mahler. Stille, bevor der Dirigent den Taktstab im Orchestergraben erhebt. Die Musik beginnt, man hört Schellen und Streicher und taucht hinab ins Reich des Hörens.

Einige Konzertbesucher haben ihre Smartphones dabei. Mit dem ersten Ton fangen sie an zu lesen:

1. Satz. Bedächtig, nicht eilen. Mit klingenden Schellen setzt sich Mahlers Vierte in Bewegung, seine – zumindest vordergründig – heiterste und zugänglichste Sinfonie. Die Streicher stellen ein klassisches, unbesorgtes Thema vor; eines, das Mozart und Haydn genauso gut hätten schreiben können…..“

So funktioniert der digitale Konzertführer. Die Wolfgang-App ist eine kostenlose Smartphone- App für klassische Live-Musik. Der Konzerthörer trägt also seinen ganz persönlichen Konzertführer in der Hosentasche und liest ihn parallel zur Musik.

In den Niederlanden entwickelt, bieten die Münchener Symphoniker als erstes Orchester in Deutschland die Wolfgang- App seit Beginn der Konzertsaison 2018/ 19 ihrem Publikum an. Nach drei Konzerten mit dem digitalen Konzertbegleiter fällt die Bilanz positiv aus.

„Bei den ersten Konzerten haben 10-12% des Publikums auf Wolfgang zurückgegriffen, was für den Start ein sehr erfreuliches Ergebnis ist und unsere Erwartungen übertraf. Wir freuen uns über die Offenheit unseres Publikums Neuem gegenüber!“

Melanie Lechmann, Pressesprecherin der Münchner Symphoniker

Einfache Handhabung

Die Bedienung ist leicht: Die Wolfgang-App ist schnell auf das Handy heruntergeladen, funktioniert mit Wlan oder mobilem Internet und verbraucht wenig Daten und Akku. Zudem macht die App wenig Licht und keine Geräusche, sodass der Nachbar oder die Nachbarin sich während des Konzerts nicht gestört fühlt. Mit Musikbeginn startet der Konzertbesucher die App.

Die Münchner Symphoniker sind ein experimentierfreudiges Orchester und schauen über den üblichen Konzertgraben hinaus. Für sie gibt es kaum klassische Grenzen und so ist die Wolfgang-App eine weitere Möglichkeit, ihr Angebot für ein breites Publikum zu öffnen.

„Mit der Einführung von Wolfgang wollen wir dem Digitalen einen Raum im klassischen Konzert geben, um dem interessierten Publikum eine Erweiterung des Konzerterlebnisses zu ermöglichen. Wir probieren gerne Neues aus und freuen uns, mit Wolfgang sowohl für Konzertneulinge als auch für erfahrene Konzertgänger eine wertvolle Ergänzung zur Musik anzubieten.“

Melanie Lechmann, Münchner Symphoniker

Wolfgang erleichtert Zugang zur Musik

Die Texte der App sind kurz gehalten, leicht zu lesen und bieten Hintergrundinformationen parallel zur Musik, die das Orchester im Augenblick spielt.

Dabei hat sie nicht den Anspruch, musikwissenschaftliche Belehrungen zu liefern, sondern mit Beschreibungen, die simultan zum musikalischen Geschehen auf der Bühne geschaltet werden, den Zugang zur Musik zu erleichtern und die Aufmerksamkeit auf das Werk zu bündeln.“

Melanie Lechmann, Münchner Symphoniker

Grundsätzlich spricht „Wolfgang“ alle Konzertgänger von Klassikkonzerten an. Wer sich auf ihn einlassen kann und neben dem Hören ab und zu die kurzen Texte auf seinem Smartphone liest, hört Details, die vielleicht ohne den kleinen Hinweis überhört oder zumindest anders gehört würden.
Die App, ein zusätzlicher Ohrenöffner.

„Wolfgang“ begleitet das holländische Publikum mittlerweile seit mehreren Jahren ins Konzert. Nun beginnt er, Deutschland zu erobern. Die Münchner Symphoniker waren die ersten, weitere Orchester folgen.
Das Münchner Publikum reagiert jedenfalls größtenteils positiv auf die Neuerung ihres Orchesters.

„Das Smartphone im Konzert hatte bisher ja nur negative Konnotationen. Diese App beweist allerdings, dass es auch für die Klassik ein hilfreicher Begleiter sein kann. Persönliche Präferenzen, was den Inhalt der Texte betrifft, variieren ein wenig – manche hätten gerne mehr Hintergrundinformationen, manche mehr Interpretation der Musik – aber für alle ist etwas dabei.“

Melanie Lechmann, Münchner Symphoniker
Münchner Symphoniker, Foto: Marco Borggreve

Susann Krieger
Susann Krieger studierte Korrepetiton/ Musiktheater (HfM Dresden) und Rundfunk-Musikjournalismus (HfM Karlsruhe). Sie arbeitet als freie Autorin für verschiedene ARD-Rundfunkanstalten (u.a. WDR, BR, MDR, SWR) und unterrichtet Klavier. 2017 erhielt sie den Deutschen Radiopreis für die beste Reportage und wurde für den Prix Europa nominiert.

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