Start Interview Musikalisch anspruchsvoll, zielorientiert und zukunftsweisend

Musikalisch anspruchsvoll, zielorientiert und zukunftsweisend

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"Red Chucks" bei der Jubiläumsfeier zu 20 Jahre Bundesverband der Freien Musikschulen

Bundesverband der Freien Musikschulen feiert 20. Geburtstag

Während das 10-jährige Jubiläum des bdfm (damals Bundesverband deutscher Privatmusikschulen bdpm e.V.) noch vor westfälisch-barocker Kulisse des Schlosses Neuhaus begangen wurde, traf sich die Festgesellschaft zum diesjährigen 20-jährigen Jubiläum auf dem Berliner Schiff „Alexander“. Mario Müller (Bundesvorsitzender des bdfm e.V.) lud hier zur Jahreshauptversammlung und gleichzeitig zur Stadtbesichtigung in die Hauptstadt. Gefeiert wurde am Abend in der Bundesgeschäftsstelle Berlin mit Musik von den „Red Chucks“ und vielen anregenden Gesprächen.

20 Jahre bdfm e.V. – Zeit für eine Bilanz
Die Initiative zur Gründung eines Dachverband für private Musikschulen und andere Musikinstitutionen in freier Trägerschaft geht auf Thüringer Musikschulleiter zurück.
Die Musikschullandschaft ist seit den frühen 1980er Jahren im stetigen Wandel. Neben den kommunalen und städtischen Musikschulen entwickeln sich immer neue Formen von musikalischen Ausbildungsinstitutionen.
Die Fragen, mit denen die meisten Musikschulleiter und -pädagogen konfrontiert werden, sind häufig die gleichen: Künstlersozialkasse, Scheinselbständigkeit, Umsatzsteuer
(-befreiung), Vertragsgestaltung, Fragen der Rechtsform einer Institution.
Die logische Konsequenz: ein eigener Interessenverband.
Am 19. März 1997 gründen die Thüringer Musikschulleiter den Verband der privaten Musikschulen mit dem Ziel, das Musikleben auf kommunaler, Länder- und Bundesebene zu fördern und die Qualität zu sichern und zu verbessern.

Mitgliederzahl steigt
Die Zahl der Mitglieder wächst – wenn auch nicht rasant, aber stetig. 1999 verzeichnet der Verband 61 Schulen Mitglieder, 2006 wird erstmals die 200er Marke geknackt und aktuell liegt die Zahl der Mitglieder bei ca. 400. Tendenz steigend.
Mit der Anzahl der Mitglieder wächst die öffentliche Wahrnehmung. Der Verband organisiert eigene Konzertreihen, Musikschulkongresse und präsentiert sich auf Fachmessen. 2004 ist der bdpm erstmals mit einem eigenen Stand bei der Frankfurter Musikmesse vertreten, den sogar der Bundespräsident Johannes Rau besucht. Seit 2005 ist der Verband Mitglied im Deutschen Musikrat, ein wichtiger Meilenstein zur Vernetzung mit anderen Musikverbänden.

Viel geschafft
Der bdfm e.V. hat in den 20 Jahren einiges erreicht. Mit seinem Sozialfonds „Kids love music“ öffnet er für alle Kinder und Jugendliche die Türen zur fundierten musikalischen Ausbildung. Die bdfm-Akademie bietet Musikschulleitern und Musikpädagogen immer wieder wichtige Impulse zur Weiterbildung. Das Thema Qualität steht mit dem ausgearbeiteten neuen Qualitätssiegel ganz weit vorn auf der Agenda der Verbandsarbeit (siehe auch das Interview: „100 Prozent qualifizierte Lehrkräfte an zertifizierten bdfm-Schulen“)

Noch längst nicht alle Ziele verwirklicht
Die Musikschullandschaft entwickelt sich weiter und mit ihr die Fragen und Anforderungen an den bdfm. Besonders wichtig sei es nun, die Öffentlichkeitsarbeit des Verbandes voranzutreiben, so der Bundesvorsitzende Mario Müller. Das sei der Grundstein, um politische Ziele umsetzen zu können. „musikschule intern“ hat sich mit ihm auf der Jubiläumsfeier unterhalten:

Mario Müller (Bundesvorsitzender), Christine Büttner (ehemaliges Vorstandsmitglied), Andrea Kuchenbuch (Bundesvorstand), Manfred Walther (Gründungsmitglied)

Herr Müller, erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung mit dem Verband?

Meine erste Begegnung war ein Workshop über eine Musikschulsoftware in Köln. Danach hatte ich den bdpm wieder etwas aus den Augen verloren. Irgendwann kam dann der Gedanke, dass wir für unsere Schule ein Zertifikat brauchen und mehr Kontakt zu anderen Musikschulen um sich auszutauschen und so sind wir Mitglied geworden.

Wie hat sich der Verband im Laufe der Jahre aus Ihrer Sicht verändert?

Der bdfm ist stetig, gesund gewachsen und hat sich meines Erachtens immer weiter professionalisiert. Mittlerweile profitieren viele Mitglieder vom Knowhow des bdfm und für Politik und andere Verbände sind wir mittlerweile ein wichtiger Ansprechpartner zum Thema freie Musikschulen.

Sie sind bereits seit 3 Jahren Bundesvorsitzender. Welche Ziele, die Sie sich gestellt haben, konnten Sie bereits umsetzen?

Wir haben eine sehr große Reform im bdfm vorgenommen. Angefangen mit der internen Verwaltung, einer neuen Geschäftsstelle in Berlin bis hin zu einer neuen Beitragsstruktur und neuen Mitgliedschaften. Wir haben all diese Strukturen stark vereinfacht. Neben der neuen Berliner Geschäftsstellen haben wir vier Landesgeschäftsstellen gegründet, die den Landesverbänden in Sachen Verwaltung, Öffentlichkeitsarbeit etc. stark zur Hand gehen. Und wir haben den Zugang in unseren Verband für neue Musikschulen erleichtert. Darüber hinaus haben wir unsere Qualitätsansprüche neu definiert und ein neues Qualitätssiegel erarbeitet. Außerdem haben wir das bdfm-Netzwerk zu Mitverbänden, Politikern und Wirtschaftsunternehmen stark vergrößert.

Was möchten Sie in Ihrer aktuellen Legislatur erreichen?

Ich wünsche mir nun, dass der bdfm seine gesamte Arbeitskraft in die sehr wichtige politische Arbeit setzt, sowie das neue Label „Zertifizierte Musikschule im bdfm“ bei Musikschulen und interessierten Kunden bzw. Schülern bekannt macht. Der bdfm muss nach außen transportieren, dass wir eine wichtige Säule der musikalischen Bildung sind und unsere Qualitätsstandards denen der kommunalen Musikschulen um nichts nachstehen.

Was wünschen Sie dem Verband für die nächsten 20 Jahre?

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass der bdfm die Gleichstellung von kommunaler und freier Musikschule schafft und der Verband weitere Musikschulen von sich überzeugt. Ganz persönlich wünsche ich mir im Verband, dass die gute und konstruktive Zusammenarbeit der bdfm-Funktionäre so bleibt wie sie ist. Das gibt einem immer die nötige Rückendeckung sich für unsere Sache einzusetzen.

Herr Müller, vielen Dank für das Gespräch.

Fotos: Frank Korte