Foto: Michael Herrmann / Screenshot

Die Idee klingt gut: ein online E-Learning-Portal für Musiktheorie, das sowohl im Musikunterricht eingesetzt werden kann, als auch von Schülern privat zu Hause. Die Plattform musikkunde.net hat sich dieses Projekts angenommen und eine ganz ordentliche Lösung präsentiert. Wir haben uns das etwas näher angesehen und sind ganz angetan – trotz kleiner Schwächen.

Was ist das langweiligste am Musikunterricht? Na klar, die Theorie. Das Notenlesen zum Beispiel. Oder wie Akkorde aufgebaut sind, welche Intervalle es gibt und so weiter. Jeder Musiklehrer weiß, dass gerade diese wichtigen theoretischen Inhalte unverzichtbar sind, aber beim durchschnittlichen Musikschüler nicht gerade Begeisterungsstürme auslösen.

Da kommt es doch gerade gelegen, dass jüngst ein neues Portal online gegangen ist, das diese Inhalte spielerisch und kindgerecht vermitteln soll. Musikkunde.net hat sich das zur Aufgabe gemacht. Das Konzept dahinter sieht so aus: Zunächst sieht der Schüler ein Video, in dem Inhalte erklärt und anhand einer netten Grafik-Animation verdeutlicht werden. Anschließend werden zu dem gerade gesehenen Video Fragen gestellt, die der Schüler beantworten kann. Beispielsweise muss er Noten an die richtige Stelle klicken oder in die richtige Reihenfolge bringen.

Die Lehrkraft sitzt entweder daneben und kontrolliert oder kommentiert die Übung, kann aber den Schüler auch ganz alleine arbeiten lassen. Der Schüler erhält sofort ein Feedback, ob die Aufgabe richtig gelöst wurde.

 

Gute Videos, gewöhnungsbedürftige Sprachausgabe

Die Inhalte sind nach dem ersten Eindruck ordentlich erklärt und anschaulich dargestellt. Erfreulicherweise enthält das jeweilige Video einige Pausen, damit der Schüler die gerade eben vermittelte Information in Ruhe verarbeiten kann. Außerdem kann so der Lehrer kurz auf „Pause“ klicken, um das Video anzuhalten und Fragen des Schülers dazu beantworten, beziehungsweise den Schüler Inhalte des Videos wiederholen lassen.

Etwas lästig ist hierbei nur, dass die Erklär-Texte zu den Videos nicht von echten Menschen eingesprochen wurden, sondern von einer Text-2-Speech Automatik vorgelesen werden. Diese imitiert zwar eine Kinderstimme, ist aber trotzdem klar als Computerstimme erkennbar. In unserem Test haben besonders Kinder damit massive Probleme, da sie sich von der etwas holprigen Sprache und den gerne mal falsch gesetzten Betonungen stark ablenken lassen. Die Lehrkraft benötigt dann zusätzliche pädagogische Ressourcen, um die Aufmerksamkeit wieder auf die Übung zu lenken. Hier würden wir dem Betreiber der Website dringend empfehlen, auf menschliche Sprecher oder Sprecherinnen zurückzugreifen.

 

Toll gelungen: Die Prüfungsfragen

Die Prüfungsfragen sind vor allem eins: Sehr abwechslungsreich. Da hat sich der Programmierer richtig Mühe gegeben. Es werden eben keine stereotypen Fragen gestellt, sondern jede Frage sieht auch schon rein optisch anders aus und erfordert einiges an Kreativität. Manche sind eher spielerisch, manche ähneln einem Quiz. Das Beantworten der Fragen macht richtig Spaß. Einzig die Computer-Vorlese-Stimme nervt und trübt das Erfolgsgefühl leicht.

 

Verschiedene Funktionen für Lehrkraft und Schüler

Eine Funktion ist auch noch interessant: Lehrer erhalten einen eigenen Zugang, über den sie mit ihren Schülern interagieren können. Beispielsweise können Lehrer ihren Schülern Aufgaben stellen, oder sie auffordern, bestimmte Kapitel abzuschließen. Auch lässt sich der Lernfortschritt eines Schülers somit leichter überwachen.

 

Kleine Wermutstropfen am Rande

Die technische Umsetzung hakt noch an ein oder zwei kleineren Stellen. So ist es beispielsweise dem Programmierer entgangen, dass das Portal unter www.musikkunde.net zwar erreichbar ist, nicht aber, wenn man das „www“ weglässt. Dann erscheint nämlich eine Fehlermeldung. Dies kann aber mit wenig Aufwand behoben werden.

Schön ist wiederum, dass das Portal auch auf Tablets oder anderen mobilen Geräten problemlos abrufbar ist. Dafür ist nur ein aktueller Browser notwendig. Der relativ weit verbreitete Firefox für Tablets wird hierbei aber nicht unterstützt, was an der fehlenden Unterstützung für Flash Inhalte liegt. Auch kam es in unserem Test mit Microsofts Browser „Edge“ zu Schwierigkeiten. Erstellt wurde die Website übrigens mit Quizmaker 360, was möglicherweise der Grund für diese Schwierigkeiten ist.

Auch sind gelegentliche Grafikfehler zu finden – na gut, das stört nur jemanden, der besonders pingelig danach sucht.

 

Und was kostet‘s?

Der Betreiber Bernd Gmoser aus Bad Blumau (Österreich) hat für dieses Portal bereits im Jahr 2017 das Comenius Award Siegel erhalten, das von der EU für herausragende Bildungsmedien in ganz Europa vergeben wird. Interessierte Nutzer können zunächst eine kostenlose 14-tägige Testversion nutzen, die dann in ein Abo-Modell übergeht. Die Kosten hierfür liegen bei überschaubaren 5 EUR pro Schüler pro Jahr für das Modul „allgemeine Musiklehre“, sowie weiteren 5 EUR pro Schüler pro Jahr für das Modul „Musikkunde 1“.

Musikschulen erhalten derzeit als Sonder-Angebot einen zwei Monate gültigen Test-Zugang, sowie Rabattstaffeln bereits ab 5 Accounts.

 

Fazit

Die Idee ist gut, die Umsetzung könnte besser sein, ist aber vollkommen ausreichend für den angedachten Zweck.

Musikkunde.net ist auf jeden Fall eine gelungene Ergänzung für den Musikunterricht an der Musikschule – trotz kleiner Schwächen. Der Preis ist wirklich günstig, weshalb man darüber gerne hinwegsehen kann.

Fazit: Daumen hoch.

Michael Herrmann ist Musikschulleiter und geschäftsführender Gesellschafter der intakt Musikinstitut gemeinnützigen GmbH in Pfaffenhofen. Er studierte Jazz-Piano und unterrichtet Klavier und Gesang, ist Gründer und ehemaliger Herausgeber von musikschule intern und ist darüber hinaus als Musiker unterwegs.

1 KOMMENTAR

  1. Sehr geehrter Herr Herrmann,

    vielen Dank für Ihren ausführlichen Testbericht!
    Zwei kleine Wermutstropfen konnte ich mittlerweile beheben:
    Die Seite ist jetzt auch ohne www erreichbar, und auch Firefox sollte mittlerweile auf mobilen Endgeräten funktionieren. Lediglich die Drag and Drop-Anwendungen laufen in Firefox noch nicht ganz so flüssig wie in den anderen Browsern. Das hängt aber auch etwas vom Arbeitsspeicher des jeweiligen Gerätes ab.
    Ich habe mir auch Ihre Kritik an der Computer-Stimme zu Herzen genommen und arbeite bereits an einer „menschlichen“ Lösung. Dies kann aber noch eine Weile dauern.

    Mit freundlichen Grüßen
    Bernd Gmoser

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