(c) Christian Rolf

Im Fall des Falls helfen folgende Handlungsempfehlungen weiter

Corona ist und bleibt vorerst allgegenwärtig. Damit stehen alle Musikschulen weiterhin vor großen Herausforderungen. Laut den aktuellen länderspezifischen Verordnungen darf der Präsenzunterricht in allen Bundesländern außer Sachsen durchgeführt werden. Neben den Abstands- und Hygieneregeln, dem regelmäßigen Lüften der Unterrichtsräume und dem Einsatz von Luftreinigern, spielt auch ein gutes Fallmanagement bei einer aufgetretenden Infizierungen eine wichtige Rolle im Umgang mit dem Coronavirus.

Tritt trotz aller Hygienemaßnhmen dennoch ein Coronafall im näheren Umfeld auf, muss man unverzüglich handeln. Die folgenden Fallbeispiele können helfen, im Einzelfall die richtige Entscheidung zu treffen.

1) Die Lehrkraft zeigt Symptome wie Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen und hat dies bislang noch nicht ärztlich untersuchen lassen

In diesem Fall sollte die Lehrkraft die Musikschule nicht betreten und unverzüglich den Arzt konsultieren – gegebenenfalls muss ein PCR-Test zur Abklärung durchgeführt werden. Der Krankheitsverlauf sollte dann in den Folgetagen beobachtet werden. Erst mit dem Einverständnis des Arztes kann die Lehrkraft zurück in die Musikschule.

2) Eine Lehrer ist an Corona erkrankt

Die Lehrkraft darf die Musikschule nicht betreten. Sie hat umgehend das Gesundheitsamt zu informieren. Die Musikschule muss mit dem Gesundheitsamt die weiteren Maßnahmen besprechen. Hierfür ist es wichtig, dass bereits im Vorfeld die Musikschule in ihrem betrieblichen Pandemieplan Regelungen getroffen hat, um bei bestätigten Infektionen diejenigen Personen (Mitarbeiter und wo möglich Kunden) zu ermitteln und zu informieren, bei denen durch Kontakt mit der infizierten Person ebenfalls ein Infektionsrisiko besteht.

3) Die Lehrkraft hatte Kontakt zu einer infizierten Person, zeigt aber selbst zeigt keine Symptome

Die Lehrkraft sollte unbedingt zu Hause bleiben und sich an das Gesundheitsamt wenden. Das Gesundheitsamt wird die Lehrkraft über die weiteren Schritte informieren. Die Maßnahmen hängen von der Risikoeinstufung ab.

Kategorie 1 – hohes Infektionsrisiko

Als Kontaktperson mit einem hohen Infektionsrisiko (Kategorie I) gilt in der Regel, wer

  • mindestens 15 Minuten lang engen Kontakt (unter 1,5 Metern) hatte, zum Beispiel in einem persönlichen Gespräch,
  • direkten Kontakt mit Atemwegssekreten hatte, zum Beispiel beim Küssen oder durch Anniesen oder Anhusten einer infizierten Person,
  • längere Zeit (Richtwert: 30 Minuten) einer relevanten Konzentration an Aerosolen (feinste Flüssigkeitspartikel und Tröpfchenkerne) ausgesetzt war, zum Beispiel beim Feiern, gemeinsamen Singen oder Sporttreiben in Innenräumen, insbesondere bei schlechter Belüftung.

Die Lehrkraft darf die Musikschule nicht betreten. Üblicherweise ordnet das Gesundheitsamt für Kontaktpersonen der Kategorie I eine Quarantäne an. Bei engen Kontaktpersonen wird ein Corona-Test durchgeführt.

Kategorie 2 – geringes Infektionsrisiko

Als Kontaktperson mit einem geringeren Infektionsrisiko (Kategorie II) gilt in der Regel, wer

  • sich zwar in der Nähe (Abstand unter 1,5 Metern) einer infizierten Person aufgehalten hat, jedoch weniger als 15 Minuten,
  • einen Abstand von 1,5 Metern zwar nicht einhalten konnte, dabei jedoch ebenso wie die infizierte Person durchgängig und korrekt eine Mund-Nasen-Bedeckung oder einen Mund-Nasen-Schutz getragen hat,
  • sich nur kurzzeitig (Richtwert: unter 30 Minuten) in einem Raum mit hoher Konzentration an infektiösen Aerosolen befand.

Das Gesundheitsamt wird für Kontaktpersonen der Kategorie II keine Quarantäne anordnen, aber empfehlen, Kontakte zu reduzieren. Die Lehrkraft sollte die Infektionsschutzauflagen streng befolgen und präventiv auf Onlineunterricht ausweichen.

4) Die Lehrkraft erfährt, dass eine Kontaktperson an Covid-19 erkrankt ist und zeigt selbst leichte Symptome wie Husten, Fieber usw.

Die Lehrkraft darf die Musikschule nicht betreten. Eine ärztliche Abklärung ist zwingend notwendig. Die Lehrkraft sollte das Gesundheitsamt kontaktieren.

5) Die Lehrkraft erfährt, dass jemand an Covid-19 erkrankt ist, zu dem eine Person Kontakt hatte, welche die Lehrkraft getroffen hat.

Zeigt die Lehrkraft keine Symptome, sind keine weiteren Maßnahmen erforderlich. Sollte die Lehrkraft allerdings Symptome zeigen, sollte die Musikschule generell nicht betreten werden. Gegebenenfalls ist eine ärztliche Einschätzung einzuholen.

6) Die Lehrkraft wird von Corona-Warn-App gewarnt, dass sie einen Risiko-Kontakt hatte.

Bei „roter“ Warnung darf die Musikschule nicht betreten werden. Die Lehrkraft sollte umgehend Kontakte mit anderen Menschen vermeiden und seinem Hausarzt, den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117 oder das Gesundheitsamt anrufen, um das weitere Vorgehen abzuklären. Die Entscheidung über eine Krankschreibung oder die Anordnung einer Quarantäne trifft der behandelnde Arzt oder das zuständige Gesundheitsamt nach einer entsprechenden eigenen Einschätzung. Eine Abklärung durch das Gesundheitsamt ist ratsam.

Bei „grüner“ Warnung wird die Ansteckungsgefahr vom Robert Koch-Institut (RKI) als gering eingeschätzt. Die Lehrkraft kann die Musikschule weiterhin betreten.

7) Eine Corona-Erkrankung ist in der Kita oder Schule des Kindes oder am Arbeitsplatz des Lebenspartners der Lehrkraft bekannt geworden.

Solange keine Krankheitssymptome beim Kind oder dem Partner vorliegen, kann die Lehrkraft in die Musikschule kommen. Onlineunterricht ist aber bis zur vollständigen Abklärung die bevorzugte Lösung.

8) Das Kind oder der Partner der Lehrkraft zeigt Symptome wie Husten oder Fieber.

Es sollte eine ärztliche Einschätzung einholen werden, ob PCR-Test notwendig ist. Onlineunterricht ist bis zur Abklärung auch hier die bevorzugte Lösung.

9) Ein Schüler ist an Corona erkrankt.

Der Schüler darf die Musikschule nicht betreten. Es ist festzustellen, ob der Schüler infektiös in der Musikschule war und mit wem er in der Musikschule Kontakt hatte. Gegebenenfalls ist das Gesundheitsamt zu informieren. Gemäß des betrieblichen Pandemieplans sind diejenigen Personen (Mitarbeiter, Schüler und Eltern) zu ermitteln und zu informieren, bei denen durch Kontakt mit der infizierten Person ebenfalls ein Infektionsrisiko besteht. Das Gesundheitsamt informiert über weitere Maßnahmen.

10) Ein Schüler zeigt Symptome oder hatte Kontakt zu an Corona erkrankten Personen

Der Schüler darf die Schule nicht betreten. Es gelten die unter 1-8 genannten Maßnahmen.

Infektionsschutz und Achtsamkeit – Musikunterricht in Corona-Zeiten

Der Coronavirus wird uns noch lange begleiten – und somit das Risiko einer Infektion. Hygienepläne, Infektionsschutzmaßnahmen und betriebliche Pandamiepläne kosten Zeit, Geld und Nerven. Ankündigungen von ersten Impfstoffen geben Hoffnung. Solange der Spuk noch andauert gebt auf euch und andere acht.

Quellen und weitere Informationen

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Informationen rund um das Coronavirus
https://www.infektionsschutz.de/coronavirus.html

Corona-Warn-App nutzen
https://www.infektionsschutz.de/coronavirus/alltag-in-zeiten-von-corona/corona-warn-app-nutzen.html

Bundesministerium für Arbeit und Soziales, SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard
Arbeiten in der Pandemie – mehr Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit
https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/PDF-Schwerpunkte/sars-cov-2-arbeitsschutzstandard.html

Robert Koch Institut, Gesundheitsämter nach Postleitzahl und Ort
https://tools.rki.de/plztool/

autorenteam
bdfm-autorenteam: Christian Rolf, Leiter der Gitarren Akademie Linden in Hannover; Nico Schreiber, Leiter des Modern Music Center in Stuttgart; Frank Korte, Leiter Bundesgeschäftsstelle des bdfm

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