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In einer Band sind alle gleich

Das inklusive Bandcamp: ein Projekt aus Kiel

Sie kommen aus allen Richtungen des Landes Schleswig-Holstein: Gegen 14 Uhr werden die Jugendlichen zwischen 13 und 18 Jahren vom Team um Hörbie Schmidt, dem Leiter der Rock-und Popschule Kiel, in Empfang genommen: an der Tür zum Nordkolleg Rendsburg, der Akademie für kulturelle Bildung. Für die kommenden sechs Tage werden sie hier wohnen und miteinander Musik machen.

2017 hat dieses Bandcamp zum ersten Mal stattgefunden. Das Besondere: 18 der 36 Teilnehmenden sind in irgendeiner Form beeinträchtigt: seh- oder hörgeschädigt, Rollstuhlfahrer oder haben das Downsyndrom. Alle 36 Jugendlichen werden jetzt ein großes Team: das inklusive Bandcamp startet.

Am ersten Nachmittag sind alle angespannt, nervös, aufgeregt. Was erwartet sie? Wie sind die anderen und wie können wir miteinander reden? Nach einem lockeren Warm-up stellen sie sich gegenseitig vor, erzählen, welches Instrument sie spielen und welche Musik sie mögen. Dann werden fünf bis sechs Bands gegründet. Sieben Coaches arbeiten ab jetzt unermüdlich mit ihnen: am Rhythmus, Sound, Gesang und daran, wie sie zusammen performen. Dabei lernt jeder von jedem, sichtbare Grenzen von Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen verschwimmen. Sie lernen, unbefangen miteinander zu interagieren.

Dass ein derartiges Projekt stattfinden kann, ist nicht selbstverständlich. Jedesmal müssen komplexe Projekt-Anträge formuliert werden, um Gelder zu akquirieren. Hörbie Schmidt ist in Kiel und darüber hinaus mittlerweile sehr gut vernetzt und lässt nicht locker. Er klopft an die Türen politisch Verantwortlicher, berichtet von den Erfolgen seiner Projekte, trägt seine Anliegen immer wieder vor. Und das durchaus mit Erfolg. Die Finanzierung des inklusiven Bandcamps ist jetzt erstmal bis Ende 2027 gesichert.

Die Anfangsnervosität ist spätestens bei der ersten Band-Probe verschwunden. Jetzt geht es um die Songs, dem gegenseitigen Zuhören, dem gemeinsamen Beat. Die Coaches geben Tipps, erkennen die Potentiale jedes einzelnen und fordern sie heraus. Berührungsängste sind ausgeräumt. Kommunikation kennt viele Wege: über Hände, Gesten, Augen und natürlich die Musik.
Am Ende steht der sechs intensiven Probetage das Abschlusskonzert. Der Saal ist voll. Verwandte und Freunde sind gekommen. Jede Band performt, zeigt das, was sie in der Woche gelernt haben und wächst über sich hinaus. Die Emotionen werden direkt von der Bühne aufs Publikum übertragen. Die Stimmung ist mehr als gut, der Applaus am Ende laut.

Hörbie Schmidt ist nach jedem Bandcamp tief berührt und überwältigt, was in den Jugendlichen für Möglichkeiten stecken. Er träumt davon, diese inklusive Bandarbeit in den schulischen Alltag integrieren zu können. Er träumt davon, die individuellen Fähigkeiten eines jeden Kindes und Jugendlichen mithilfe derartiger Projekte fördern zu können. Derzeit fehlt es, wie so oft, an den finanziellen Mitteln. Doch Hörbie Schmidt ist hartnäckig: er klopft weiterhin an Türen und spricht mit politisch Verantwortlichen.

Die Konzerte seiner Jugendlichen geben ihm die Kraft dazu.

Doku zum inklusiven Bandcamp der Rock & Pop Schule Kiel

Diese filmische Dokumentation beschreibt das inklusive Bandcamp aus dem Blickwinkel eines blinden Menschen und aus der Sicht eines sehenden Menschen.
Für mich ist das ein Beispiel wirklich gelebter Inklusion.
Mit inklusiven Grüßen
Hörbie Schmidt

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Susann Krieger studierte Korrepetiton/ Musiktheater (HfM Dresden) und Rundfunk-Musikjournalismus (HfM Karlsruhe). Sie arbeitet als freie Autorin für verschiedene ARD-Rundfunkanstalten (u.a. WDR, BR, MDR, SWR) und unterrichtet Klavier. 2017 erhielt sie den Deutschen Radiopreis für die beste Reportage und wurde für den Prix Europa nominiert.

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